Die Gemmi im Wandel der Zeit

Seit Jahrhunderten verbindet die Gemmi Menschen und Regionen – über einen Naturweg, einen spektakulären Saumpfad bis zur modernen Erschliessung mit Luftseilbahn und alpiner Hotellerie. Aufbruch und Kontinuität prägen die Geschichte dieses Alpenübergangs bis heute.

Mittelalter
Frühgeschichte
Der Gemmipass wurde bereits im frühen Mittelalter begangen. Um das Jahr 800 gelangten Alemannen über die Gemmi ins Mittelwallis. Mit ihrer Ansiedlung setzte die sprachliche Alemannisierung des Oberwallis ein, zuvor herrschten frankoprovenzalische Dialekte vor. Der Pass war damit nicht nur Verkehrsweg, sondern auch kultureller Übergang. Die Herkunft des Namens «Gemmi» ist nicht eindeutig geklärt. Eine mögliche Deutung führt auf lateinische oder mittellateinische Begriffe für Weg und Durchgang. Unabhängig von seiner sprachlichen Wurzel steht der Name heute für einen der markantesten Alpenübergänge der Schweiz.
12./13. Jahrhundert
Erste Erwähnung als Weidenutzung
Möglicherweise wurde der Übergang bereits in römischer Zeit genutzt. Sicher belegt ist jedoch seine Nutzung im Hochmittelalter: Urkunden aus dem 12. und 13. Jahrhundert dokumentieren die Bewirtschaftung der Weiden auf dem Passplateau sowie die Existenz eines Hospiz (auch Spittel genannt), das Unterkunft, Verpflegung und Pflege für Kranke und Verletzte bot. Im frühen 13. Jahrhundert wurde die Gemmi erstmals ausdrücklich als Übergang erwähnt. Der Weg verband das Berner Oberland mit dem Wallis und war Teil eines frühen alpinen Verkehrsnetzes.
Frühes 14. Jahrhundert
Die Alte Gemmi
Die ursprüngliche Route führte vom Daubensee ostwärts über das Furggentäli zu einer rund 2’730 Meter hoch gelegenen Lücke bei den Plattenhörnern, der sogenannten Alten Gemmi. Der anschliessende Abstieg auf die Clabineralp war steil, kam jedoch ohne die Durchquerung der markanten Felswand oberhalb von Leukerbad aus. Dieser höher gelegene und anspruchsvolle Übergang blieb über Jahrhunderte in Gebrauch und wurde von Händlern, Hirten und Reisenden genutzt.
Um 1550
Verlegung des Passwegs
Um die Mitte des 16. Jahrhunderts wurde der Weg näher an die heutige Trasse verlegt und bildete damit die Grundlage für den später berühmt gewordenen Gemmiweg durch die Felswand. Der Weg rückte nun an die steile Felswand oberhalb Leukerbads heran, er legte den Grundstein für den später ausgebauten Gemmiweg und machte den Pass besser zugänglich.
1739
Der gesprengte Gemmiweg
Als der Kurort Leukerbad im 18. Jahrhundert an Bedeutung gewann, wurde der Ruf nach einem leichter passierbaren Weg über die Gemmi lauter. Die Herren Stephan Matter und Landvogt Balet ergriffen die Initiative zum Bau einer neuen Trasse durch die steile Felswand oberhalb von Leukerbad. 1739 wurde unter der Leitung des Tiroler Baumeisters Anton Lung der heutige Gemmiweg mit Sprengpulver in das Gestein getrieben. Mit Unterstützung aus Bern entstand eine dauerhaft gesicherte Verbindung zwischen dem Berner Oberland und dem Wallis. Der Ausbau stand im Zusammenhang mit dem Bestreben Berns, eine direktere Verbindung über Gemmi und Simplon in Richtung Italien und zum Handelsraum bis Thun zu schaffen. Der angelegte Saumpfad prägt das Erscheinungsbild des Gemmiwegs bis heute und gilt als herausragendes Beispiel alpiner Wegbaukunst.
1878
Bau des Berghotels Wildstrubel
Mit dem Bau des Berghotels Wildstrubel erhielt die Gemmi 1878 eine feste touristische Infrastruktur auf der Passhöhe. In einer Zeit, in der der Alpentourismus erst im Entstehen war, zeugte ein Hotel auf 2’350 Höhenmetern von unternehmerischem Mut und Pioniergeist. Das Berghotel gehört zu den frühen alpinen Beherbergungsbetrieben in dieser Höhenlage und markiert den Beginn einer bis heute fortgeführten Tradition der Gastfreundschaft auf der Gemmi.
1951
Kühne Vision einer Autostrasse über die Gemmi
Mit der Gründung der Aktionsgesellschaft Pro Gemmi entstand die Idee einer Autostrasse von Kandersteg nach Leukerbad. Das ambitionierte Projekt mit mehreren Tunneln wurde schliesslich nicht realisiert und bewahrte den ursprünglichen Charakter des Passes.
1957
Vom Alpenpass zum Ausflugsort
Mit der Inbetriebnahme der Luftseilbahn im Jahr 1957 wurde die Hochebene erstmals direkt von Leukerbad aus erschlossen. Der Zugang veränderte die Nutzung der Gemmi grundlegend und machte den Pass für ein breiteres Publikum erreichbar. Die neue Verbindung leitete den Wandel vom historischen Alpenpass zum modernen, alpinen Ausflugsort ein.
1971
Übernahme durch die Familie Loretan
1971 übernahm die Familie Loretan aus Leukerbad das Berghotel und die Gemmibahnen. Während mehr als fünf Jahrzehnten prägte sie die Entwicklung und den Betrieb auf der Passhöhe.
2010-2020er-Jahre
Erneuerung und Weiterentwicklung der Infrastruktur
Die Infrastruktur auf der Gemmi wurde umfassend erneuert und die Seilbahnen auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Im Jahr 2016 wurde das Hotel komplett erneuert. Das neue Panoramarestaurant mit 280 Innenplätzen und 100 Plätzen auf der Terrasse wurde 2019 in Betrieb genommen. 2020 folgte der Bau des Panorama Spa Bereichs und 2023 der Neubau der Bergstation.
2025
Eigentümerwechsel und neue Perspektiven
Nach 54 Jahren im Besitz der Familie Loretan erfolgte 2025 der Eigentümerwechsel der Gemmi an die Gemmi Holding AG. Damit beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte der Gemmi unter der Führung und Mehrheitseigentümerschaft des Schweizer Unternehmers Roger Büchel.

Literatur

  • Klaus Aerni: Die Gemmi – Von der Verbindung zum Weg. In: Cartographica Helvetica. Heft 19 (1999), S. 3-15. doi:10.5169/seals-10768
  • Klaus Aerni, Vanessa Bitz, Sandro Benedetti: Das Sprengpulver öffnete den Weg durch die Gemmiwand. Publikation zum Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz IVS. Bern 2003
  • Initiativkomitee für den Bau einer Autobahn über die Gemmi: Eine Autostrasse über den Gemmipass von Kandersteg nach Leukerbad. Interlaken 1952
  • Winfried Lausberg: Die Gemmi. Geschichte eines Alpenübergangs. Hamburg 1975

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